Geschichte

Geschichte des Hausprojektes Braustraße 20

Im Frühjahr 1992 wurde das Haus in der Ernestiestrasse 9 instandbesetzt. Ziel der Besetzter_innen war es, das leerstehende Haus in Raum für Projekte und gemeinsames Wohnen umzuwandeln. Neben der Bewohnbarmachung wurde ein Infocafe eröffnet, dass der Ursprung des heutigen Infoladens im Conne Island ist.

Im Sommer 1992 begannen auf Drängen der Stadtverwaltung von leipzig Verhandlungen mit allen besetzten Häusern in Connewitz. Die Mehrzahl der Häuser stimmte ihre verhandlungsposition mit dem besetzter_Innenrat ab. Nach den Ausschreitungen ind er Nacht vom 27. zum 28. November 1992 in der Bornaischenstraße erhöhte die Leipziger Stadtverwaltung den Druck auf die Eigentümer aller besetzten Häuser, die LWB, zu einem Vertragsabschluss zu kommen und die bestehenden Besetzungen zu legalisiseren. Ziel war es, darüber hinaus keine neuen Besetzungen mehr zuzulassen.

Im Dezember 1992 wurden alle Häuser ultimativ aufgefordert angebotene Verträge, die zuvor schon als unanehmbar abgelehnt wurden zu unterschreiben. Ein Haus nach dem Anderen unterschrieb.. Unter diesen Bedingungen wollten auch die Besetzter_innen der Ernestiestraße 9 als letzte den Vertrag abschließen. Dies wurde aber von der LWB wegen Unnachgiebigkeit in den vorangegangenen Verhandlungen verweigert. In dieser Zeit wurden von Jugendlichen zwei weitere Häuser in der Ernestiestraße besetzt. Trotz sich immer wieder abzeichnender Verhandlungen zum Status aller Häuser ohne Verträge in der Straße erfolgte im März 1993 die Räumung. Während die anderen Besetzungen kurzerhand zu Neubesetzungen umdeklariert wurden, erfolgte die Räumung der Ernestiestraße 9 mit der Begründung, der Polizeieinsatz müsse ausgenutzt werden. Gleichzeitig wurde bei verzicht auf Gegenwehr ein Ersatzhaus, das innerhalb weniger Wochen beziehbar wäre, in Aussicht gestellt.

Aus den wenigen Wochen wurden drei Jahre. Erst 1996, nach Verhandlungen, Pressearbeit, Prostesten und Informationen vor Stadtparlament und Ausschüssen, angedrohte Besetzungen u.v.m konnte die Braustraße 20 bezogen werden. Ein Haus, dessen Annahme trotz hoher Instandsetzungskosten und relativer Ferne von den befreundeten Projekten in Connewitz von Stadt und Land erzwungen wurde. Ziel der Behörden war eine Entfernung des Projektes Ernestiestraße 9 aus Connewitz.

Seit dem ist viel Zeit vergangen. Die Braustraße bietet neben dem Wohnprojekt auch Räume zum Treffen und für politische Arbeit. Viele Initiativen hatten ihren Anfang in der Braustraße 20. Hier war der Buchladen El Libro erstmals ansässig, der Rote Stern Leipzig traf sich in seiner Gründungszeit hier, der Infoladen des Conne Island hatte hier seine Anfänge. Das Netzwerk für Demokratie und Courage nutzt auch heute noch regelmäßig die Räume der B12 für Wochenendseminare. Zudem verfügt die B12 seit dem Frühjahr 2015 über eine Siebdruckwerkstatt, die mehrmals im Jahr Interessierten zugänglich ist.

20 Jahre später existiert das Wohnprojekt B12 in der Braustraße 20 immernoch. Der Versuch, ein solidarisches und gemeinschaftliches Wohn- und Kulturprojekt für junge Erwachsene zu schaffen, hat funktioniert. Das Cafe hat an 2 Tagen die Woche geöffnet und die Besucherzahlen zeigen uns, dass es auch in der schicken Südvorstadt viele Menschen gibt, die nach einem Raum suchen, in dem Politische auseinandersetzung stattfindet, es wie Dienstags ab 20 uhr bei uns ein bezahlbares und leckeres essen gibt und sich Leute ohne Konsumzwang mit ihren Freund*innen treffen können.

Die Südvorstadt und wir

Nachdem die Südvorstadt sich schon im letzten Jahrzehnt zu einem beliebten und damit teurem Wohnviertel entwickelt hatte, setzte die letzten 2 Jahre der Endgültige Kahlschlag ein: die meisten Häuser in denen WGs und Leute mit sogenannten „alternativen Lebenskonzepten“ einen Raum gefunden hatten, sind weg und es ist kein Ende in Sicht. Die Mieten steigen, Immobilien in Leipzig sind stark gefragt. Besonders in der Südvorstadt ist Wohnraum für prekarisierte Menschen Mangelware.

Das Umfeld hat sich also stark gewandelt. Die Stadt Leipzig ist die am stärksten wachsende Metropole in ganz Deutschland. Die Mieten steigen, Immobilien in Leipzig sind stark gefragt. Wir möchten auch weiterhin Menschen mit geringem Einkommen wie Harz4-Bezieher_innen, Student_innen und Flüchtlingen einen Raum zum gemeinsamen Wohnen und Leben ermöglichen. Wir möchten auch weiterhin einen Raum bieten in dem Menschen zusammenkommen können, ganz gleich ihrer Herkunft und sozialen Stellung. Einen Raum für politische Arbeit und einen Raum in dem man seine Freizeit günstig und selbstbestimmt gestalten kann.